Enttäuschungen

Enttäuschungen entstehen, wenn Erwartungen nicht eintreten. Diese Erwartungen sind uns oft nicht bewusst oder wir halten sie mehr für selbstverständlich. Wenn ich respektvoll mit meinen Kollegen umgehe, erwarte ich selbiges von den Kollegen. Wenn ich für meine Freunde immer ein offenes Ohr habe, erwarte ich, dass diese genauso für mich da sind. Auch wenn es uns nicht bewusst ist, unser Verhalten unterliegt einer Bedingung. Das ist nichts schlechtes oder falsches, vielmehr sind es unbewusste Schlussfolgerungen, die aus unserer Kindheit stammen (siehe hierzu auch der Artikel Unser unbewusstes Lebensskript).

Damit wir Enttäuschung wahrnehmen, bedarf es zwei Faktoren:

  1. Ich gehe von mir selbst aus und übertrage dies unbewusst auf mein Gegenüber. Die Erwartung baut also auf meinem eigenen Anspruch und wird automatisch auf den Anderen projiziert.
  2. Meine unbewussten Muster bestehen aus einer „Wenn-Dann“ Gleichung. Werden wir enttäuscht, wurde unser unbewusste Deal nicht erfüllt.

Nehmen wir an, Marie muss als Kind lernen, lieb und anpassungsfähig zu sein, damit sie genug Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern erfährt. Sie schlussfolgert also, wenn sie anderen gegenüber besonders lieb auftritt, sie auch die erhoffte Wertschätzung zurückerhält. Unentdeckt zieht Marie also fortan auch in späteren Jahren mit ihrem Glaubenssatz durchs Leben. Schließlich gerät Marie an einen Partner, Kollegen oder Freunde, die ihr nicht mit Wertschätzung entgegentreten. Was passiert ist, dass Marie´s frühkindliche, unbewusste Schlussfolgerung „Wenn ich besonders nett und aufmerksam gegenüber anderen bin, werde ich wertgeschätzt und gesehen“ nicht aufgeht. Diese Enttäuschung wird verstärkt durch Marie´s Unverständnis darüber, wie ein Anderer solch ein Verhalten (Ablehnung, Kritik, Missachtung) überhaupt fertig zu bringen scheint. Sie geht in diesem Fall von sich selbst aus und überträgt unbewusst ihr Empfinden auf den Anderen („Das hätte ich nicht fertig gebracht“, „Wie kann man nur so sein“).

Verbleibt Marie weiter unbewusst in ihrem Glaubenssatz, entscheidet sie sich möglicherweise dafür, es das nächste Mal „noch besser zu machen“. Bedeutet, sie übernimmt nicht nur die alleinige Verantwortung für die Situation, sondern unbewusste Schuldgefühle drängen sie noch tiefer in ihre Anpassungsmuster. Gleichzeitig wird durch die Enttäuschung ihr Glaubensmuster im Sinne von „ich bin nicht ok, ich war nicht gut genug“ bestärkt. Im verzweifelten Versuch, es das nächste mal besser zu machen, zieht sich Marie fortan weiter Situationen und Menschen ins Leben, die ihr inneres Glaubensmuster bestärken.

Sicherlich könnte Marie auch den Entschluss fassen, in Zukunft mehr Position zu beziehen und sich selbst stärker zu behaupten um sich so zu schützen. Werden die unbewussten Antreiber jedoch nicht erkannt, ist es vorherzusehen, dass sie fortan weiteren Enttäuschungen dieser Art ausgesetzt wird.

Der Weg zur Veränderung beginnt also erstmal mit der Selbstwahrnehmung und der Förderung der eigenen Bewusstheit. Alles was sichtbar und erkannt wird, kann sich ändern. Oft merken wir nicht, dass wir uns automatisch nach den Bedürfnissen anderer richten. Eine Ich-Zustands-Analyse bringt uns zur Fähigkeit, eigene Bedürfnisse deutlicher zu spüren und mich selbst gegenüber Anderen abzugrenzen. Das Fühlen des inneren Konfliktes, das Wahrnehmen meiner Gefühle und das tiefere Untersuchen der Enttäuschung, verschafft immens Klarheit. So lerne ich im zweiten Schritt, mich allmählich von meinen inneren Glaubensmustern zu distanzieren. Meine eigenen Bedürfnisse erscheinen viel deutlicher, ich lerne mir zu erlauben, mich selbst wichtig nehmen zu dürfen. Durch mehr Eigenwahrnehmung erfolgt Selbstannahme. Langfristig erfolgt so eine innerliche Umpolung zur Überzeugung „Ich bin Ok – Du bist Ok“. Enttäuschungen dieser Art gehören der Vergangenheit an: Zum Einen lösen sich die Dinge deutlich schneller im Außen und zum Anderen bedarf es keiner weiteren Enttäuschung mehr um „aufzuwachen“. Man ist nicht mehr getäuscht – Es folgt eine wirkliche Ent-Täuschung!!

Alles beginnt und endet bei einem Selbst. Unser Bewusstsein ist unser inneres Steuerzentrum, das unseren weiteren Weg lenkt. Mit der Frage „Was hat das Ganze mit mir selbst zu tun“, lege ich die Weichen für das Leben was ich mir wirklich wünsche.

Du suchst weiterführenden Rat? Melde dich gerne unter : mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

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