Loslassen von einem Narzissten

Viele von uns befanden oder befinden sich noch in einer toxischen Beziehung zu einem emotional unerreichbaren Partner. Gelingt uns der Absprung und haben wir einmal verstanden, dass wir die Verantwortung für uns selbst übernehmen müssen, bleibt meist eines zurück: Sehnsucht und die fehlende innere Freiheit nach dieser einen Person.

Ich selbst befand mich in mehreren hochtoxischen Verbindungen, aber das Freiwerden von einer bestimmten Person, sollte lange Zeit einfach nicht möglich sein. Dabei hatte ich damals alles bis ins Detail analysiert, ich war mir sowohl meiner Anteile als auch der Mechanismen bei dieser Person absolut bewusst. Nach Jahren des Kontaktabbruches war immer noch diese latente Verbindung zu diesem Menschen in mir zu spüren. Jedes mal wenn ich dachte, nun habe ich den Schmerz und die Sehnsucht überwunden, kam wieder der Rückfall. Schließlich versuchte ich zu ergründen, ob dieser nicht endend wollenden Sehnsucht eine tiefer liegende Ursache zu Grunde liegt. Schnell stellte ich fest, dass es zu anderen Beziehungen, die dieser auch sehr ähnelten, nur einen wesentlichen Unterschied gab. Dieser Unterschied lag in meinem Verstand, besser gesagt in meinem Ego.

Unser Ego ist darauf programmiert, uns vertraute Situationen ins Leben zu rufen mit dem Zweck, uns in vermeintlicher Sicherheit zu wiegen. Ist uns Ablehnung, Missbilligung und Schmerz aus der Kindheit vertraut, so fühlen wir uns in diesem Gefühl unbewusst geborgen. Wir fühlen uns schlichtweg wohl mit dem Schmerz, da wir ihn schon immer kannten. Wurden wir nicht von unseren Eltern bedingungslos angenommen, fühlen wir uns oft zu distanzierten und emotional unerreichbaren Menschen, wie etwa Narzissten, hingezogen. Bin ich darüber hinaus dann überzeugt davon, nicht gut genug zu sein, sind sämtliche Projektionsflächen für unerreichbare Narzissten geschaffen, denn genau sie bestätigen uns nur unseren eigenen Glaubenssatz: Du bist nicht gut genug. Verharren wir weiter in unseren unbewussten Mechanismen, so entwickelt sich eine toxische Beziehung schnell zu einer Art emotionalen Besessenheit. Wir merken das oftmals daran, dass wir beginnen, obsessiv an diese Person zu denken, zu phantasieren und die vermeintliche innere Freiheit und der Prozess des inneren Loslassens auch nach langer Zeit des Kontaktabbruchs irgendwie immer weiter in die Ferne rückt.

Loslassen

Der wahre Grund des Festhaltens an dieser vergangenen Verbindung liegt in der Unfähigkeit unseres Ego, loszulassen und zu vergeben. Oft höre ich von meinen Klienten den Satz „ich bin an den Falschen geraten aber kann ihn nicht loslassen“. Hier muss zunächst einmal klar werden, welcher Teil in uns eigentlich verurteilt und Schuld ablädt. Verurteilung und Schuldzuweisung ist genau das Gegenteil von innerer Vergebung und somit das Gegenteil von Loslassen. Oft entgegnen mir die besagten Klienten mit absoluter Verwunderung, wie es denn überhaupt möglich sei, einem solchen unfähigen und emotional erkalteten Menschen zu vergeben, der derart emotionalen Missbrauch betrieben hat. Die Antwort lautet: Ich kann einem Menschen nur vergeben, wenn keine Anklage mehr vorhanden ist. Bedeutet: Sobald ich die Aufmerksamkeit auf mich lenke, erkenne ich meine eigenen Anteile, die in diese Verbindung führten. Dadurch, dass ich den Fokus auf mich selbst richte, löse ich mich von allen Anklagen dem Anderen gegenüber. Das bedeutet nicht, dass sämtliches Verhalten von Menschen, die sich selbst nicht fühlen und keine Verantwortung für ihre Anteile übernehmen, zu tolerieren und für gut zu befinden ist. Es bedeutet vielmehr:

Dadurch, dass ich mich selbst erkenne, erkenne ich auch den anderen.

Durch mein eigenes Bewusstwerden erkenne ich die Unbewusstheit im Anderen und gleichzeitig dessen daraus resultierende missbilligende Taten.

Nur durch Liebe kann vergeben werden und nur durch Liebe kann Heilung eintreten.

Meine Vergebung gibt dem anderen das Recht zurück, so zu sein wie er ist und das zu tun was er/sie für richtig hält. Durch Vergebung löse ich mich von meinem Ego, dass verzweifelt über das Denken des Anderen philosophiert: „Warum, weshalb, wieso tut er/sie das“ – Ganz einfach: Weil es sein Weg ist. weil er/sie nicht das nötige Bewusstsein hat, um zu erkennen, wie wahre Liebe entstehen kann. Weil es so ist wie es ist und so sein soll wie es ist.

Das Ego versucht, den anderen auf emotionaler Ebene unter Kontrolle zu halten, aber letztendlich kontrollieren deine Emotionen schließlich dich. Solange du in Gedanken bei „Wieso, weshalb, warum“ verharrst, kann keine Befreiung vom Geschehenen stattfinden. Nur durch Liebe und Anerkennung dessen was ist und ein liebevoller Umgang mit den eigenen Gefühlen, wird sich der Schmerz und die Sehnsucht auflösen.

Du suchst weiterführenden Rat oder wünschst dir jemanden, der dir auf dem Weg zurück zu dir Selbst zur Seite steht? Melde dich gerne unter : mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

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