Was stimmt denn nicht mit mir?

Dieser Artikel richtet sich an alle Menschen, die ständig die Fehler bei sich selbst suchen, sich fragen, was mit ihnen selbst nur nicht stimmt und die an ihrer vermeintlichen „Nicht-Richtigkeit“ verzweifeln.

Im Gegensatz zum Großteil der Gesellschaft such hochsensible Menschen immer den Grund für vermeintliches Scheitern, für Verlust, für Ablehnung, Verlassenwerden, Missachtung, Herabsetzung und Ungerechtigkeit bei ihnen selbst. Der Rest ist ständig damit beschäftigt, stets den anderen die Schuld für alles in die Schuhe zu schieben. Das ist ein eindeutig einfacherer und bequemerer Weg, da diese Menschen permanent die Verantwortung, die sie sich selbst gegenüber haben, an andere abschieben. Darüber hinaus sind Menschen, die projizieren und abladen, konstant auf der Flucht vor sich selbst. Übertrage ich die Verantwortung und die Schuld für mein eigenes Befinden auf Andere, verliere ich den Kontakt zu mir selbst. Was bleibt ist höchstens Selbstmitleid und Zorn der Außenwelt gegenüber, der sich wiederum früher oder später gegen mich selbst richtet.

Menschen, die es gelernt haben, die Schuld auf sich selbst zu nehmen, stellen sich selbst und ihren eigenen Selbstwert permanent in Frage. Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Mechanismen, übernehmen sie die Verantwortung der Anteile anderer. Das führt auf Dauer zu einer immensen Last an Schuldgefühlen, die sich früher oder später auch wieder gegen einen selbst richten.

Sowohl die Introjektion, also die unbewusste Übertragung Anteile anderer auf sich selbst, als auch die Projektion der Schuld und Verantwortung auf andere führen zu einer zunehmenden Trennung vom eigenen Selbst. Dadurch, dass wir permanent im Außen sind, bei den anderen, verlieren wir den Kontakt zu uns selbst. Um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, ist es im ersten Schritt von immenser Bedeutung, unsere inneren Vorgänge, insbesondere unsere Gedanken zu beobachten und zu hinterfragen. Menschen, die sich selbst in Frage stellen und unter immensen Schuldgefühlen leiden, sind dazu eingeladen sich einmal folgende Fragen zu stellen:

  1. Ist es wirklich wahr, dass ich alleine die Schuld an der Situation trage?
  2. Ist es wirklich wahr, oder vielmehr meine eigene Wahrheit, die von meinen eigenen Gedanken erzeugt wird?
  3. Sind diese Gedanken wirklich wahr?
  4. Was wäre ich ohne diese Gedanken? Wie würde ich mich fühlen, wenn es diese Gedanken nicht gäbe?

Das Leben lädt uns permanent dazu ein, uns weiterzuentwickeln. Weiterentwicklung bedeutet: Ich lerne meine Gedanken zu hinterfragen, ich untersuche die Vorgänge IN MIR SELBST – wie Gedanken und Gefühle zusammenhängen. Ich entdecke und verstehe die Mechanismen IN MIR SELBST, indem ich sie beobachte und mal genau hinschaue. So lerne ich MICH SELBST kennen. So lerne ich Verantwortung für mich selbst zu übernehmen.

Unsere bisherige Überzeugung, dass wir nicht in Ordnung sind, dass wir Schuld und Verantwortung tragen für das was uns passiert, relativiert sich genau dann, wenn wir beginnen unsere eigenen Gedanken zu hinterfragen. Kann es denn richtig und wahr sein, dass etwas mit uns nicht stimmt? Oder ist es nicht vielmehr unser Verstand, der uns die Geschichte vom „hast es wieder mal nicht hinbekommen“ oder „kein Wunder, mit dir ist es auch wirklich nicht auszuhalten“ gebetsmühlenartig hoch und runter erzählt?

Viele Gesprächspartner/Innen erzählen mir, dass sie nicht von richtig und falsch unterscheiden können. Das ist nicht weiter schlimm und das ist auch nicht das Kernproblem. Kernproblem ist vielmehr, dass wir unseren Gedanken ständig alle Macht und all unseren Glauben verleihen ohne sie auf Wahrheitsmäßigkeit zu überprüfen. Kurzum – Wir glauben automatisch alles was wir denken! Unsere eigene Realität erschafft sich durch unsere Gedanken. Ist es angemessen, unserem Verstand derart Macht über unser Befinden, unsere Gefühle und unsere Lebenslage zu geben? Sollte er nicht vielmehr ein nützliches Werkzeug sein, statt der Meister auf dem Thron unseres Lebens? Sollte dir dies alles noch nicht schlüssig erscheinen, versuche es mit der Gegenprobe: Wer wärst du ohne diese Gedanken? Wie würdest du dich fühlen? Die meisten Antworten die ich auf diese Frage höre sind: „Ich würde mich frei, entspannt, ohne Sorgen, zufrieden und ausgeglichen fühlen.“ Was also ist Ursache für deine Gefühlslage, für deine Schuldgefühle und deine Ängste? DEINE GEDANKEN.

Damit du wieder Kontakt zu dir selbst herstellst, überprüfe im ersten Schritt deine Gedanken und stelle sie in Frage. Beobachte dich selbst im Denken, im Fühlen und im Handeln. Nur das was sichtbar wird und ins Bewusstsein eintritt, kann heilen. Hab Verständnis mit dir selbst, Verständnis mit deinen Zweifeln, mit deinen Sorgen, mit deinen Schuldgefühlen. Betrachte sie mit liebevoller Aufmerksamkeit, mit Nachsicht und mit einem lächelnden Auge. Alles dient zu deiner Weiterentwicklung und ist nur dafür da, dass du zu dir selbst zurückkehrst. Durch dein Bewusstsein, werden Gedanken bei Weitem nicht mehr die Macht über dein Wohlbefinden haben wie zuvor, du fühlst dich deutlich sicherer in dir selbst und strahlst das aus. Und das Leben reagiert darauf. Hab den Mut, die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken – dorthin wo wirklich was los ist: nach Innen.

Du suchst weiterführenden Rat? Melde dich gerne unter : mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

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