Tauschgeschäft Beziehung

Wenn wir uns nicht auf den Weg zu uns Selbst machen, werden wir permanent weiter die Befriedigung unseres Mangelgefühls im Außen suchen. Das Außen steht hier für sämtliche Personen oder Dinge, die nicht den Ursprung in uns Selbst haben. Manch einer von uns sucht die Befriedigung in Form herausragender Leistung, etwa im Job oder im Sport. Wir alle stellen uns früher oder später die Frage, was Liebe denn wirklich ist. Dass die Antwort nicht im Außen zu finden ist, verstehen zwar viele Menschen aber sie fühlen es nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass die allermeisten der Beziehungen von heutzutage nichts Anderem dienen, als dem verzweifelten Versuch einer gegenseitigen Betäubung des eigenen inneren Schmerzes. So gewinnt man kurzweilige Befriedigung eines Mangels und einer Langeweile, die tief in uns schlummern. Kaum einer vermag den Mut zu haben, sich diesem inneren eigenen Anteil zu stellen und es ins Bewusstsein zu befördern. Wir haben schlichtweg Angst vor dieser Unbekannten, denn bislang ist unsere Gleichung in Form von „Nehmen und Geben“ schließlich meistens aufgegangen. Gewissermaßen haben wir Angst vor unserem Wahren Selbst. Wir haben Angst vor der Stärke und immensen Größe unserer eigenen Energie. Und wir haben Angst uns selbst kennenzulernen und uns selbst zu leben. Unser Verstand hat uns unser Leben lang gelehrt, dass Sicherheit und Glück von äußerlichen Faktoren abhängt. Somit geben wir uns unser Leben lang einen Freibrief dafür, unseren inneren Mangel durch jemand oder etwas Anderes aufzufüllen. Was dadurch entsteht ist eine unbewusste Erwartungshaltung, beim Nehmen etwas zurückgeben zu wollen und umgekehrt – ein unbewusstes Tauschgeschäft entsteht. Treffen zwei Menschen zusammen, die beide gleichermaßen mit ihrem Verstand, also mit ihrem Ego identifiziert sind, so herrscht ein ähnliches Energiefeld. In diesem Energiefeld findet die wechselseitige unbewusste Kommunikation statt. Das Ziel des Egos ist es, sich am Leben zu erhalten und das funktioniert nur mit fortan weiterem Verweilen in der eigenen Unbewusstheit.

Projektion auf den Anderen

Beinahe alle Konflikte in einer Beziehung beruhen auf der eigenen Verweigerungshaltung gegenüber den eigenen Inhalten. Das Ganze muss weg. So entsteht Projektion auf den Anderen. Das können kleine Meinungsverschiedenheiten sein, in denen das eigene Ego Recht haben will und den anderen mit Unrecht verurteilt. Verurteilung, Wertung, Ärger, Zorn, Enttäuschung und Verletzbarkeit rühren nur vom eigenen Ego Überlebenskampf und nicht von dir selbst. Die meisten von uns befanden sich nicht nur einmal in solch einer Konfliktsituation. Situationen, die von gegenseitigen Beschuldigungen, Angriffen und Verletzungen sowie dem Drang vom eigenen Verstanden-Werden geprägt waren.

Jede Beziehung auf dieser Welt, sei es die zu deinem Partner, zu deiner Familie oder die zu deinen Freunden oder Kollegen dienen in Wahrheit nur der Spiegelung deiner eigenen unbewussten Inhalte. Stelle dir in jeder Situation bei Möglichkeit die Frage, was hat das mit mir selbst zu tun. Dein Ego wird weiterhin versuchen, die Schuld beim Anderen zu suchen und das Verhalten deines Gegenübers zu werten. In deinem wahren Sein gibt es jedoch keine Wertung. Das bedeutet nicht, dass du zu allem JA und Amen sagen musst. Natürlich sind Verhaltensmuster von deinem Gegenüber, die von Angriff und Beschuldigungen, von Verletzungen und Anklage gekennzeichnet sind, nicht immer still anzunehmen und zu tolerieren. Sobald du in dir selbst bewusst bist, ziehst du automatisch eine innere Grenze, da du dann von Unbewusstsein und Bewusstsein deines Gegenübers BEWUSST unterscheiden kannst.

Sobald du dich von deinem eigenen Ego löst, dich nicht mehr über deinen Verstand identifizierst, sondern ins Hier und jetzt eintrittst, wirst du sämtliche Antworten automatisch bekommen. Vielleicht reagierst du garnicht. Vielleicht teilst du in ruhiger Verfassung mit, dass du das Verhalten nicht für gut erkennst, vielleicht verlässt du die Situation indem du aus dem Gespräch aussteigst. Die Konfliktsituation vernimmt einen ganz anderen Lauf, wenn du dich auf dich selbst besinnst und dich in dir selbst bewusst wahrnimmst.

Was ist Deins?

Beginne dir selbst darüber bewusst zu werden, dass es nicht dein Partner ist, der dir die Schmerzen wieder nehmen kann, die er dir hinzugefügt hat. Fang an dir bewusst zu machen, dass all die Kränkungen deines Gegenübers deine eigenen Ängste und Schamgefühle an die Oberfläche bringen und nutze dies dafür sie zu betrachten indem du sie fühlst. Wagst du diesen Schritt und fühlst das alles in deinem Körper, löst du dich automatisch vom Verstand und veränderst dein eigenes Energiefeld. Die Kommunikation mit deinem Gegenüber verändert sich und Projektionsflächen für unbewusste Inhalte des Anderen schwinden automatisch. Bist du bei allem was du tust und sagst, einfach nur voll bei dir und bei vollem Bewusstsein, so bist du nicht mehr angreifbar für unbewusste Inhalte deines Partners.

Du wirst es schaffen, diese Bewusstheit immer länger aufrecht zu erhalten, auch wenn es am Anfang schwer fallen mag. Da dein ein Verstand seine eigene Wahrheit, seine Identität aufrecht erhalten möchte, wird er vehement versuchen, dich vom Bewusst werden abzuhalten. Beobachte deine Gedanken und du wirst bemerken, welch unglaubliche Macht dein Verstand besitzt.

Beobachte dich Selbst

Trittst du beiseite und wirst zum Beobachter, gibst du damit deinem Gegenüber auch die Chance aus seinem Unbewusstsein herauszutreten, indem du die Projektionsfläche für seine unbewussten Inhalte entziehst. Indem du dich bewusster deinen Gefühlen in deinem Körper stellst und deinem Verstandes-Geplapper zur Seite trittst, steigst du automatisch aus dem Tauschgeschäft aus. Du gibst dabei nicht nur dir den Raum für deine Inhalte sondern lässt auch deinen Partner in seinem unverarbeiteten Schmerz und in seinem Raum. Nur wenn wir bei uns sind und den Mut aufbringen, die eigenen Ängste, Schuld- und Schamgefühle anzusehen und nur auszuhalten, sind wir nicht mehr weiter bedürftig nach Betäubung dieser Gefühle durch den Anderen. Wir brauchen den anderen nicht mehr um uns selbst zu fühlen, wir brauchen den Anderen nicht mehr weil wir im Grunde nur Angst vor uns selbst haben. Wir brauchen nicht mehr… Wir lieben einfach.

Du suchst weiterführenden Rat? Melde dich gerne unter : mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

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