Panikattacken – wenn der Körper reagiert

Viele unter uns kennen es. Meist kündigt es sich an: Ein latentes Gefühl der Angst breitet sich in unserem Körper aus, unsere Gedanken fokussieren sich immer mehr auf das zunehmend beklemmende Gefühl in uns. Meistens ist im Außen nicht viel los, wir stehen an der Supermarktkasse, im Auto an der Ampel oder sind unter Menschen – kurzum rein logisch betrachtet gibt es keine (biologische) Gefahr, vor der wir fliehen oder gegen die wir kämpfen müssten. So versuchen wir oft, Einfluss auf unsere Gedanken zu nehmen, uns „zusammenzureißen“, die Angst irgendwie zu bekämpfen. Dann kommt der Punkt, den viele von uns kennen. Der Körper verselbständigt sich, wir beginnen (kalt) zu schwitzen, der Puls erhöht sich, das Herz beginnt zu rasen, wir fühlen keine Luft mehr zu bekommen, wir hyperventilieren, unsere Pupillen erweitern sich maximal – wir haben Todesangst. Der Körper ist im absoluten Ausnahmezustand – wir befinden uns in einer Angstattacke. Rein evolutionsbiologisch betrachtet, rüstet sich der Körper gegen eine vermeintliche Gefahr – es heiß Kampf oder Flucht. In diesem Moment erleiden wir eines: Absoluten Kontrollverlust.

Verständlich, dass wir diese Panikattacken sofort behandeln möchten. Wir wollen sie so schnell wie möglich loswerden, denn Angst zu fühlen möchte keiner unter uns. In der Regel wenden wir uns dann an unseren Arzt, welcher uns Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder anderweitige Sedativa verschreibt. Sicherlich profitiert die Pharmaindustrie hiervon deutlich mehr als der Patient selbst, denn sämtliche verschreibungspflichtige Medikamente die hier zum Einsatz kommen bewirken neben einer Abhängigkeit in erster Linie eines: Die Dämpfung der Fühlfähigkeit. Wir trennen uns noch mehr von unseren Gefühlen, von uns selbst und weichen somit noch mehr unserem Inneren – also da wo wirklich was los ist – aus. Spätestens wenn man sich in der körperlichen medikamentösen Abhängigkeit befindet und erneut Angstattacken erleidet, merkt man, es muss einen anderen Weg geben.

Der einzige Weg aus Angst und Angstattacken führt nur über Innen. Statt weiter vor uns selbst zu fliehen, werden wir durch sehr leidvolle Weise vom Leben gezwungen, die Aufmerksamkeit auf uns selbst, auf unser Inneres zu richten. Bedeutet: Uns zu fühlen und unsere Gedanken zu hinterfragen.

Es ist völlig in Ordnung und menschlich, Angstattacken so schnell wie möglich hinter sich lassen zu wollen. Jedoch lädt uns das Leben ein, die Situation von einem anderen Blickwinkel zu betrachten. In erster Linie erfordert es bedingungslose Ehrlichkeit zu sich selbst – was hat bislang geholfen? Bleibt man bei der Wahrheit sich selbst gegenüber, so stell man fest, dass jeglicher Kampf gegen die Angst und somit auch gegen sich selbst, die Angst nur intensiviert, die Angstattacken nur schlimmer macht. Angstattacken enthalten eine einzige wesentliche Botschaft für uns: hör auf zu kämpfen. Das bedeutet nicht, dass wir uns damit abfinden müssen, für den Rest unseres Lebens unter Angst zu leiden oder gar aufzugeben. Es bedeutet vielmehr, endlich den Kampf gegen uns selbst aufzugeben. Uns mit Liebe, statt mit Verurteilung und Härte zu begegnen. Angst ist das Gegenteil von Liebe. Wo viel Angst ist, ist folglich wenig Liebe. Wenn wir also ein Leben ohne Angst leben möchten, sind wir eingeladen dazu uns selbst zu fragen, wo wir uns mehr Liebe, Verständnis und Fürsorge schenken dürfen. Wir sind eingeladen dazu, uns selbst einmal zu fühlen. Die Angst nicht zu bekämpfen, sondern liebevoll zu betrachten. Sicher ist das sehr schwer wenn man sich inmitten einer akuten Attacke befindet. Eine Ur-Angst ist jedoch immer in uns, meist seit vielen Jahren. Unbewusst und unterdrückt wird sie so lange immer stärker, bis wir uns unserer Angst liebevoll widmen. Es ist lediglich ein Gefühl, es ist nur Angst die angesehen werden möchte. Die Aufmerksamkeit möchte. Die nicht bekämpft oder gar weggedrängt werden will. Wenn wir beginnen, dieses Angstgefühl in unserem Körper zu fühlen, wann immer es leise anklopft, hören wir auf gegen uns selbst zu kämpfen. Wenn wir beginnen, uns bewusster wahrzunehmen und einen Augenblick inne zu halten, geben wir unseren Emotionen Raum zur Veränderung. Wir begreifen schließlich, dass überhaupt nichts Schlimmes dabei passiert, wenn man sich seinen inneren Anteilen für einen Augenblick lang widmet. Wir erlernen vielmehr einen liebevolleren Umgang mit unseren Gefühlen und Verständnis für uns selbst. Wir tun genau das, worauf eine Angstattacke uns hinweist: Wir sehen hin, statt weg. Nur durch diesen Weg kehren wir zu uns selbst zurück, und wir erwachen eines Tages mit der Erkenntnis, dass sowohl unsere Gedanken wie auch unsere Angst nur eine Illusion war.

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Natalie Schmid

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