Ich will Veränderung

Insbesondere in diesen schweren Zeiten, in den Zeiten der Einsamkeit und der Gesellschaftsspaltung verspürt der ein oder andere mehr den Drang nach Veränderung. Die meisten von uns geraten früher an den Punkt im Leben, an dem man merkt, so geht es nicht mehr weiter. Man spürt oder weiß, dass dringend Veränderung erfolgen muss. Spätestens dann, wenn unser Körper in deutlicher Sprache zu uns spricht, wir auf ein Burn Out zusteuern, Panikattacken erleiden, erschöpft und müde von ständigen Enttäuschungen sind oder unser Perfektionismus uns wieder mal an unsere Grenzen bringt. Spätestens dann wenn der Leidensdruck immer größer wird, begeben wir uns auf die Suche nach Lösungen.

Unser Verstand sucht verzweifelt nach Antworten, nach Erklärungen, nach Lösungen. Wir beginnen also meistens, bis ins Detail zu analysieren, warum wir in dieser Situation sind, wieso uns jemand anderes so behandelt, weshalb wir es einfach nicht schaffen, uns zu verändern und was wir am besten tun können, damit es uns besser geht. Wir wünschen uns, uns selbst mehr lieben zu können, gelassener zu werden, selbstbewusster zu sein und innerlich freier und authentischer zu leben. Wie schaffen wir das?

Der einzige Weg zur Veränderung führt über innen. Bedeutet: Mal in uns zu sehen, zu beobachten und zu fühlen. Und zwar das was ist. Im Grunde genommen wissen oder spüren wir das auch, nur ist es unsere Angst vor uns selbst, die uns abhält einmal hinzufühlen. Die Angst vor unseren Gefühlen ist keine reale Angst, sie ist vielmehr ein Schutzkonzept unseres Verstandes, der uns vor „Unbekanntem“ abhalten will. Bislang sind wir immer den langen Weg drum rum gegangen, wir haben alles im Außen veranstaltet- um uns nicht selbst zu fühlen. Um die Situation nicht so annehmen zu müssen wie sie ist. Mit diesem Umweg landen wir immer wieder am selben Anfangspunkt, wir kommen einfach nicht so recht weiter. Hinzu kommt das Geplapper unseres Verstandes, der die Kontrolle behalten möchte und das „Hinschauen und Fühlen“ unter der Rubrik „Überflüssig und Nicht-Lösungsorientiert“ verbucht.

Blicken wir einmal auf unser bisheriges Leben zurück, so sehen wir sehr schnell, wie oft wir uns schon in dem Gedankenterror befanden und verzweifelt nach Lösungs- besser Auswegen gesucht haben. Bislang sind wir, federführend vom Verstand, also den Weg der AKTION gegangen. Wir versuchten stets unser Außenleben so anzupassen, dass Veränderung geschieht – Freundschaften und Partnerschaften werden ausgetauscht, Jobs werden gewechselt, ein neues Buch hier, ein neuer Psychiater da, vielleicht doch mehr Sport oder ein neues Projekt? Lieber stellen wir uns auf den Kopf und gehen in Höchstleistung um nicht das fühlen zu müssen, das sich aus dem Moment heraus ergibt. Wer überhaupt bestimmt, dass wir nur positive Gefühle wie Glück, Freude und Zufriedenheit fühlen dürfen? Wer überhaupt bestimmt, dass Trauer, Schmerz, Angst, Zweifel, Sehnsucht oder Wut sofort eliminiert gehören und „schlecht“ sind?

Wir sind vielmehr permanent vom Leben dazu eingeladen, uns selbst in ALL UNSEREN GEFÜHLEN zu halten, sie anzusehen und anzunehmen. Erst DANN können wir Veränderung herbeiführen. Erst wenn wir lernen, uns in allem auszuhalten, merken wir, dass überhaupt nicht Schlimmes passiert. Angst wird ein wichtiger Wegweiser für uns werden, denn fühlen wir einmal Angst in uns und gehen dieser nach, öffnen sich Türen ganz von selbst und Neues kann entstehen. Das bedeutet übrigens „Angst überwinden“. Wir sind vom Leben eingeladen, die Situationen – so unangenehm und schmerzhaft sie auch sein mögen- erst einmal anzunehmen – und zwar so wie sie sind.

Der Mangel an Vertrauen in uns selbst und somit auch ins Leben, lässt uns daran glauben, das Leben sei eine Herausforderung und schwer zu bewältigen. Die Wahrheit ist jedoch, dass es unsere Angst vor dem Fühlen, vor dem Aushalten und vor der Hingabe ist, die uns das Leben schwer macht. Veränderungen unter dem Druck von Angst und Flucht enden immer in einer Sackgasse.

Truth will set you free. But first it will piss you off.

Gloria Steinem

Wir alle kennen diese Angst, die Zweifel, die Panik vor der Zukunft und die unendliche Sehnsucht nach einer besseren Zukunft, einem besseren Leben. Wir eifern anderen Menschen nach, die scheinbar all das erreichten, was wir uns immer wünschten. Je mehr wir gedanklich in der Zukunft sind, desto unerträglicher erscheint uns unsere Gegenwart. Was uns jedoch in diesen Momenten meist nicht bewusst ist: Je mehr wir an Gedanken festhalten, desto mehr Gefühle werden erzeugt. Je mehr wir denken, je mehr wir sehnen, desto mehr verlassen wir die Gegenwart, desto mehr verlassen wir uns selbst. Solange uns unser Verstand vorgaukelt, dass andere Bedingungen (neue Freunde, neuer Job, anderer Wohnort, bessere Gesundheit usw.) für unser Glück verantwortlich sind, solange befinden wir uns in einer Illusion und nicht in der Wahrheit.

Wie also erschaffe ich echte Veränderung in meinem Leben? Indem wir aufhören nach Erklärungen und Lösungen zu suchen. Indem wir unserem Verstand einmal liebevoll erlauben, ruhig zu sein und die Situation so zulassen wie sie ist – enttäuschend, schmerhaft, angsterzeugend und unangenehm. Diese Hingabe ist immer Voraussetzung für bewusste Veränderung. Nur wenn wir lernen, Dinge als das anzusehen, was sie sind und unsere Gedanken dabei beobachten, kann wirkliche Veränderung stattfinden. Üben wir uns im Annehmen dessen was ist, arbeitet uns das Leben zu. Wir dürfen lernen, still zu stehen und JA zu sagen. JA zu uns selbst, JA zum Leben. Stehen wir im schlammigen See einen Moment lang still, so setzt sich der Schlamm allmählich und wir beginnen den Untergrund klar und deutlich zu sehen. Wir wissen was zu tun ist.

Wahrheit ist Liebe. Und Liebe ist der Schlüssel zur Veränderung. Auch wenn du dich nach etwas anderem sehnst, sei gewiss dass es nur deiner bedingungslosen Liebe bedarf, dass sich die Türen öffnen, die für dich vorgesehen sind.

Du suchst weiterführenden Rat oder wünschst dir jemanden, der dich auf dem Weg zurück zu dir selbst begleitet und unterstützt? Melde dich gerne unter : mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

Diesen Artikel widme ich der bedeutendsten, mutigsten und liebevollsten Person in meinem Leben. Schwesterherzen schlagen gemeinsam.

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