Alles für ein bisschen Liebe

Oder: Von der Angst uns selbst zu fühlen…

Jeder von uns trägt individuelle unbewusste Ängste in sich, früh entstandene kindliche Wunden, die uns im Leben immer wieder begegnen. „Triggern“ nennen wir es, wenn unser Partner, Freunde oder andere Menschen die uns gewissermaßen nahe stehen, immer wieder auf diese Wunden drücken. Unser Ego ist darauf programmiert, uns stets vor diesem frühkindlichen Schmerz zu schützen. So eignet sich jeder von uns ganz individuelle Mechanismen und Anpassungsmuster an, nur um diese frühkindliche Wunde nicht spüren zu müssen. Ein „du bist nicht gut genug“ umgehen wir gezielt mit besonderer Leistung, mit besonders gutem Aussehen, mit „besonders“ sein, mit Überzeugen anderer von einem selbst, mit einem permanenten Kampf um ein Stückchen Anerkennung, Aufmerksamkeit und Liebe. All diese Strategien dienen nur dazu, den eigentlichen Kern der Ursache – also den wirklichen Schmerz und die wahre Angst in uns, nicht fühlen zu müssen. Durch ständiges Anstrengen im Außen vermeiden wir, uns unserer frühkindlichen Wunde zu widmen.

Je bewusster wir werden, desto deutlicher nehmen wir im Laufe unseres Lebens wahr, dass sämtliche Glaubenssätze „du bist nicht gut genug“, „du musst kämpfen um Liebe“, „du bist nichts Besonderes, egal wie sehr du dich anstrengst“ immer wieder durch Andere hervor geholt werden. Menschen mit der empathischen Strategie des Vermeidens der kindlichen Wunde, sind immer mit der Aufmerksamkeit beim Anderen. Sie versuchen noch hilfsbereiter, noch besonderer, noch aufmerksamer, noch „liebenswerter“ zu sein, nur um gesehen zu werden, nur um ihrer frühkindliche Wunde des „du bist nicht gut genug“ endgültig zu entkommen.

Was passiert? Genau das Gegenteil tritt ein. Hochsensible Menschen spüren dieses Immer-Wieder-Kehren derselben Ablehnung, die sie schon als Kinder erfahren mussten. Egal ob durch den Partner, durch Freunde oder im Beruf: Egal wie sehr sie sich anstrengen, noch besonderer, noch einzigartiger, noch hilfsbereiter, noch erfolgreicher, noch attraktiver zu sein, es folgen immer dieselben Enttäuschungen, dieselbe Ablehnung, derselbe Vergleich, dieselbe schmerzhafte Zurückweisung.

WARUM?

Unsere Wunden können nur in unserem Bewusstsein und unserer liebevollen Zuwendung heilen. Jedes mal wenn wir abgelehnt werden, verletzt oder enttäuscht, hintergangen oder betrogen werden, ist dies eine Einladung des Lebens uns unseren eigenen Wunden zu widmen – zur vollständigen Heilung. Wir entwickeln uns nicht in unserer Komfortzone, wenn vermeintlich alles in Ordnung und harmonisch ist. Es bedarf der Auslösung und Bewusstwerdung unserer Ängste und unseres Schmerzes zur wirklichen Weiterentwicklung und zur ganzheitlichen Heilung. Anstelle von Schuldzuweisung, von Anklage und Hass dem Anderen gegenüber, der uns diesen Schmerz vermeintlich hinzufügt, dürfen wir die Aufmerksamkeit endlich umlenken. Und zwar dort hin wo wirklich was los ist: in unserem Körper, in unserem Inneren, in UNS.

Emotionaler Schmerz kann nur dann in uns entstehen, wenn unsere eigenen inneren Wunden aktiviert werden. Ein Zweiter kann uns keinen neuen emotionalen Schmerz hinzufügen, er kann nur vielmehr das hervorholen, was seit Jahrzehnten unbewusst in uns selbst schläft. Endlich erwachsen sein, endlich Verantwortung übernehmen, endlich aus den ständigen Ablehnungsmustern heraus bedeutet schließlich nur eines:

Stehen bleiben und mich selbst fühlen. All das in mir lieben, was sich nicht liebenswert anfühlt.

Jene Angst nicht gut genug zu sein, jenen Schmerz abgelehnt und verlassen zu sein, jene Wut dem Anderen oder dem Leben gegenüber, jenem Schuldgefühl, es wieder einmal nicht geschafft zu haben… darf und muss da sein um endlich liebevoll integriert zu werden.

Auch wenn es besonders schmerzhaft ist und man dazu neigt, im Außen handeln zu wollen um wieder alles „in Ordnung zu bringen“ um den Schmerz nicht spüren zu müssen, dürfen wir immer wieder die Wahrheit in unser Bewusstsein rufen: Wozu führte meine permanente Anstrengung bislang wirklich? Wie bringt mich Anklage, Schuldzuweisung dem anderen gegenüber oder mein verzweifelter Versuch es wieder gut zu machen, wirklich weiter? In unserer Kindheit sicherten unsere Strategien unser emotionales Überleben. Ja es war wichtig für uns als wir klein waren. Nur so haben wir schließlich Liebe und Zuwendung unserer Eltern bekommen. Aber jetzt dürfen wir endlich erwachsen werden und unser inneres Kind selbst an die Hand nehmen. Uns kümmern um all das was uns früher gefehlt hat. Jetzt darf ich mir selbst die Liebe schenken, um die ich immer kämpfen musste. Genau jetzt benötige ich mehr Liebe und nicht weniger. Jetzt ist es an der Zeit hinzusehen, anstatt davor zu fliehen.

Lass dein Herz brechen und bleib einen Moment in Angst, Verzweiflung, Ohnmacht, Schuldgefühl, Wut und tiefem Schmerz stehen. Verbinde dich wieder mit dir selbst und lass das Außen einen Moment lang einfach SO SEIN.

Werde dir bewusst darüber, dass DU selbst genau die Aufmerksamkeit verdienst, die du anderen dein Leben lang gewidmet hast. Werde dir bewusst darüber, dass du dich selbst in all deinen Gefühlen, in all deinem kindlichen Schmerz und deiner Angst halten kannst und kein Anderer dies können oder gar tun muss.

Das ist der Weg in Wahrhaftigkeit, in wirkliche Selbstliebe und in Er-Wachsen-Sein. Indem du deine Angstvermeidungsstrategien verlässt, widmest du dich endlich dir selbst, deinem kleinen Mädchen oder Jungen von damals in dir, und zwar als Erwachsener. Dadurch, dass du wahrhaftig durch deinen Schmerz hindurch gehst und ihn liebevoll hältst, benötigst du keinen weiteren Schmerz mehr. Dein Leben wird sich schon bald signifikant verändern. Du lernst gesunde Grenzen mit völliger Selbstverständlichkeit zu setzen und zu kommunizieren. Du lebst und spürst deinen Selbstwert zutiefst und ziehst gesetzesmäßig genau die Menschen in dein Leben, die in Resonanz mit deinen eigenen Werten gehen. Du trittst aus Abhängigkeit heraus. Du beginnst endlich dir selbst zu begegnen. Das ist Heilung. Das ist Liebe.

Du suchst Begleitung auf deinem Weg zurück zu dir selbst? Melde dich gerne unter: mail@praxis-natalie-schmid.de

Natalie Schmid

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